Demnächst in der Bierregion Innviertel



Ausstellung von ARNULF RAINER in der "Galerie am Stein"

Nun feiert Arnulf Rainer seinen 90igsten Geburtstag. Die 250m2 Ausstellungsfläche in den neu adaptierten repräsentativen Galerieräumen des Reichersberger Burgkellers sind mit jüngsten Bildserienvon Arnulf Rainer aus dem Zeitraum von 2009-2015 bespielt. Der erste Eindruck dieser überwiegend in kleineren Formaten ausgeführten Acrylmalereien auf Papier: Energetisch, gestisch, klar konstruiert und meditativ, durchaus farbenreich, mit lyrisch-poetischen Zügen. Deutlich kommt der rainer’sche Körpereinsatz in den variantenreich gewischten vertikalen Bogen- und Schwingformen zum Ausdruck. Jede dieser Bewegungsspuren ist in einer ganz spezifischen Farbe in unterschiedlichen Hell-Dunkeltönen ausgeführt. Das Spektrum erstreckt sich von reduzierten Kombinationen weniger Farben bis zu mehrfarbigen Kompositionen. Dunkle und gedämpfte Farben variieren bzw. kontrastieren mit leuchtkräftigen. In ihren Überlagerungen ergeben sie ein orchestrales Zusammenspiel und erzielen tiefe Bildräume.

Der nüchtern gewählten und gezielt eingesetzten Farbsubstanz wird die Freiheit selbständiger vitaler Bewegung überlassen. Sie darf, den Gesetzen der Gravitation folgend, fließen. Spritzen ist erwünscht und verleiht den Malereien tendenziell Grenzen sprengende explosive Charakterzüge. Rainer, der auf ein komplexes Œuvre zurückblicken kann, zeigt sich hier voller Freude an der Malerei, am Kolorit, am Ausdruck, am Meditativen. Er weiß rationale Kompositionen emotional umzusetzen und natürlich ebenso mit den Problemen der Malerei wie mit der Kunstgeschichte zu spielen. Transparenzen und das je nach Werk mehr oder weniger dominierende Sichtbarlassen weißer Leinwandflächen sind charakteristisch.Wichtige malerische Gestaltungsprinzipen werden aus früheren Werkreihen, wie den für Rainer essenziellen Kreuzen2, übernommen und weiter entwickelt. Die jüngsten Arbeiten führen vor allem die erhöhte Farbigkeit, Transparenz und Leichtigkeit der Schleierbilder seit 1990 fort. In reduziertem Maße lassen die dichteren und dunkleren der jüngsten Werke die fälschlich oft als aggressive Akte interpretierten Übermalungen und Zumalungen erahnen, jenen für ihn typischen neuen künstlerischen Ausdrucksformen, die ihn ein Künstlerleben lang begleitet haben.

Arnulf Rainers Kunst wurzelt in der schwierigen, von Pessimismus geprägten Nachkriegszeit der jungen Republik Österreich. Sie musste sich in einer Gesellschaft entwickeln, die innovativen und modernen Kunsttendenzen gleichgültig und verständnislos gegenüberstand. Jan Hein Sassen attestiert in Arnulf Rainers Œuvre drei Hauptmerkmale: das Existentielle, das Kontemplative und das Expressive.3 In diesen reifen Werken dominiert die Gelassenheit, das zwanglose freie Atmen-Können. Beruhigt scheint der Kampf.

Vielleicht trifft auch der Begriff „Versöhnung“ den Geist dieser Bilder:Versöhnung mit der reinen Malerei (entgegen seiner „Malerei um die Malerei zu verlassen“, 1952)4, Versöhnung auch mit dem rätselhaften Menschendasein hier auf Erden. Und so man will, so kann man in ihrer betonten Vertikalität, einem Stilmerkmal besonders der französischen Gotik, auch eine subtile religiöse Komponente sehen. Es müssen nicht immer Kreuzeoder Christusköpfe sein, wenn es bei Arnulf Rainer um das Religiöse, das Mystische geht.
  • 21.12.2019 von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr
  • Galerie am Stein, 4981 Reichersberg
  • Kartenreservierung: http://www.galerieamstein.at/

Infos zum Veranstalter:

Galerie am Stein
Reichersberg 1
4981 Reichersberg
Email: info@galerie-am-stein.at