Demnächst in der Bierregion Innviertel



Ausstellung von Gisela Stiegler in der Galerie am Stein

„Das Nachdenken über kunstimmanente Fragestellungen ist immer auch ein Nachdenken über die menschliche Existenz“, beschreibt Gisela Stiegler ihren künstlerischen Zugang. Für die österreichische Künstlerin bedingt dieser Nachdenkprozess auch eine Reflexion über den architektonischen Rahmen und den historischen Kontext, in dem ihre Arbeiten präsentiert werden. Die außergewöhnliche Architektur der Räumlichkeiten der Galerie am Stein im barocken Augustiner Chorherrenstift Reichersberg bietet Stiegler nun die ideale Möglichkeit, ihren starkfarbigen Skulpturen eine radikale Präsenz zu verleihen.

Betritt man die barocke Klosteranlage, die sich um zwei Höfe gruppiert, stellt sich mit den beidseitigen Arkadengängen, dem marmornen Michaelsbrunnen und den zwiebelbekrönten Erkern ein Gefühl der Ruhe ein. Inmitten dieses Ambientes von geometrischer Geschlossenheit und Harmonie sind es vor allem die zahlreichen Säulen des Klosters, die zur Rhythmisierung und Dynamisierung des architektonischen Gesamtgefüges beitragen.

Die österreichische Künstlerin Gisela Stiegler setzt sich in ihrem bildhauerischen Werk seit einigen Jahren mit den zahlreichen Formen und Symboliken dieses seit der Antike „tragenden“ Stilelements der Säule auseinander. Vor den Eingang der Galerie stellt sie eine fünf Meter hohe violette Säulenskulptur als weithin sichtbares Monument, das sowohl auf die Architektur des Stiftes Bezug nimmt, als sich auch selbstbewusst als Bildelement dagegen behauptet. Das Spiel vom Bildhaften und Objekthaften, von Fläche und Volumen, von Affirmation und Emanzipation architektonischer Gegebenheiten setzt sich im Innenraum der Galerie fort.

Lose gruppiert Stiegler fünf violette Säulen in den hohen Ziegelgewölberaum, der trotz seiner Nutzung als Ausstellungsraum sakrale Wirkung entfaltet. Nachdem keine der Säulen die Decke berührt, werden sie eindeutig als eigenständige Skulpturen wahrgenommen. Industriell hergestellte Zylinder und Reifen aus Polystyrol erlauben es Gisela Stiegler, die Elemente frei zu kombinieren, um proportionale Verhältnisse verschiedener Säulenordnungen auszuloten. Eine der Säulen mutiert zu einem hoch aufragenden Sockel, auf dessen Spitze eine gelbe Skulptur ruht, die in Farbe und Form an eine überdimensionale Zitrone erinnert. In Verbindung mit dem auratischen Raum wirkt die Skulptur wie eine surreale Verkehrung einer seit der Antike existierenden Form von freistehender Säule, die als Weihgeschenkträger in Heiligtümern aufgestellt war.
  • 04.03.2021 von 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr
  • Galerie am Stein, 4981 Reichersberg
  • Kartenreservierung: http://www.galerieamstein.at/

Infos zum Veranstalter:

Galerie am Stein
Hofmark 1
4981 Reichersberg
Email: info@galerie-am-stein.at